Kurze Zeit später setzen die fünf das Gespräch über Übersetzen und Merkmale fort. Es wird schnell deutlich, dass alle vier Römer unterschiedliche Schwerpunkte bei ihrer Auswahl setzen. Sie wenden sich an Aristos, der bisher schweigend zugehört hat.

M. Claudius (wissbegierig): „Nun Aristos, wie lautet deine Auflösung?“

Aristos (überrascht): „Herr? – Ich dachte, es ist offensichtlich, dass es nicht nur eine Lösung geben kann. Je nach Betrachtungsschwerpunkt legt man mehr Gewicht auf die Stimmigkeit auf der Wortebene oder auf die Verständlichkeit für den Leser in der anderen Sprache. Oder auf andere Aspekte, die mit dem Ziel der Übersetzung zusammenhängen. Aber du musst verdeutlichen, welche Kriterien du warum angelegt hast, wenn du willst, dass deine Zuhörer deinem Urteil vertrauen. Das ist wie mit der Beweisführung bei Gericht, die Cicero so bevorzugt hat. Meint ihr nicht, Senatoren?“

C. Flavius (nachdenklich): „Wahrscheinlich hast du wirklich recht. Vielleicht sind wir manchmal zu sehr an die Form gewöhnt, dass wir zu wenig auf die Argumentation achten. Das gilt selbstverständlich auch, wenn ich mir in anderen Dingen ein Urteil bilde, die Sache von allen Seiten betrachten und Argumente für und gegen sie finden. Kriterien sind letztlich Entscheidungshilfen…“

Aristos nickt zustimmend.

Lucius (interessiert): „Vater, wie meinst du das? Können wir das bitte einmal an den beiden Übersetzungsbeispielen durchgehen?“

C. Flavius (leicht lächelnd): „Sicher, mein Sohn. Wissensdrang will ich nicht unterbinden. Aristos, du hast das Wort…“

Aristos führt die vier Römer in der nächsten Stunde durch den Übersetzungsvergleich, indem er Fragen aufwirft, bestimmte Stellen vergleichen und beurteilen lässt sowie den Gesamteindruck der Fassungen in den Blick nimmt. Die Senatoren und ihre Söhne erarbeiten sich gemeinsam ein Urteil zur Qualität der vorliegenden Übersetzungen…